Biomasse-Index und LAI richtig nutzen lernen

14/03/2025: Biomasse-Index und Leaf-Area-Index (LAI) liefern über Fernerkundung wichtige Einblicke in den Zustand und die Entwicklung von Pflanzenbeständen. Landwirte können damit Düngung, Pflanzenschutz und Ernte besser planen – unabhängig davon, ob sie über moderne Precision-Farming-Technik verfügen. Viele dieser Daten sind kostenlos verfügbar und helfen, Zeit und Ressourcen zu sparen.


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Einleitung:

Moderne Landwirtschaftsbetriebe nutzen vermehrt Vegetationsindizes wie Biomasse-Indizes und den Blattflächenindex (Leaf Area Index, LAI), um den Zustand ihrer Kulturen zu überwachen und fundierte Entscheidungen zu treffen. Solche Kennzahlen ermöglichen es, Pflanzenwachstum, Bestandsdichte und Vitalität objektiv zu quantifizieren. Im Folgenden werden diese Indizes definiert und ihre Erfassung, Interpretation sowie praktischen Anwendungen erläutert – sowohl für hochtechnisierte Precision-Farming-Betriebe als auch für Landwirte ohne digitale High-Tech-Ausstattung. Dadurch wird die Relevanz von Biomasse- und LAI-Daten für die moderne Landwirtschaft deutlich gemacht und aufgezeigt, welche konkreten Vorteile sich in der Praxis ergeben.

1. Definition und Erklärung von Biomasse-Index und Leaf-Area-Index (LAI)

Biomasse-Index: Als Biomasse-Index bezeichnet man einen Vegetationsindex, der Rückschlüsse auf die vorhandene Pflanzen-Biomasse und den Zustand des Bestandes erlaubt. Ein häufig genutzter Biomasse-Index ist der NDVI (Normalized Difference Vegetation Index). Er wird aus Reflexionsmessungen im roten und nah-infraroten Lichtspektrum berechnet und dient als Maß für die „Grünheit“ bzw. Dichte der Vegetation (earthobservatory.nasa.gov). Gesunde, dichte Bestände absorbieren viel sichtbares Licht (rot) und reflektieren stark im nahen Infrarot – je mehr Blattmasse vorhanden ist, desto höher die Reflexion im NIR (earthobservatory.nasa.gov). Das Verhältnis dieser reflektierten Strahlung wird in einen Index überführt; beim NDVI ergibt sich ein Wert zwischen -1 und +1, wobei Werte nahe +1 eine hohe Blattdichte anzeigen (earthobservatory.nasa.gov). Allgemein nutzen Biomasse-Indizes also kombinierte Reflexionsmessungen (typischerweise Rot und NIR), um den Zustand und die Vitalität von Pflanzen messbar zu machen (dlg.org). Solche Vegetationsindizes korrelieren eng mit pflanzlichen Kenngrößen – in wissenschaftlichen Studien wurde gezeigt, dass NDVI-Werte unter anderem mit der oberirdischen Biomasse, dem LAI, dem Wasser- und Chlorophyllgehalt von Beständen zusammenhängen (literatur.thuenen.de). Die Sensoren messen hierfür das vom Pflanzenbestand reflektierte Licht und verrechnen die Signale zu Indikatorwerten, wodurch Eigenschaften wie Biomasse- und N-Versorgungsstatus des Bestandes indirekt geschätzt werden können (dlg.org).

Leaf-Area-Index (Blattflächenindex, LAI): Der LAI ist eine dimensionslose Kennzahl für die Belaubungsdichte einer Pflanzendecke. Per Definition entspricht der LAI der Blattfläche aller Blätter pro Bodenfläche (typischerweise als einseitige Blattfläche in m² pro m² Boden angegeben) (lpvs.gsfc.nasa.gov). Anders formuliert: Ein LAI von 3 bedeutet, dass die Blätter eines Bestandes den Boden mit der dreifachen Fläche der Grundfläche bedecken würden. In der Praxis ist der LAI ein Maß für die grüne Blattmasse und damit die photosynthetisch aktive Oberfläche eines Bestandes. Er spiegelt wider, wie stark ein Pflanzenbestand Licht absorbieren kann, was mit Wachstum und Biomasseproduktion verknüpft ist (agrarraum.info). Ein höherer LAI weist auf einen dichteren, kräftigeren Bestand hin, während ein niedriger LAI auf spärliche Vegetation hindeutet. Der LAI wird von Wissenschaft und Behörden als wichtiger Indikator angesehen – er gilt u.a. als Essential Climate Variable in Klimamodellen und als Schlüsselgröße zur Bewertung von Ökosystemen und Agrarstrukturen (agrarraum.info). Moderne Fernerkundungsverfahren erlauben es, den LAI großflächig aus Satellitendaten abzuleiten, indem spektrale Reflexionswerte in entsprechende LAI-Schätzungen umgerechnet werden (sdi.eea.europa.eu). Insgesamt liefern sowohl Biomasse-Indizes (wie NDVI) als auch der LAI eine quantifizierbare Beschreibung des Pflanzenbestands, die als Basis für weitere Analysen und Entscheidungen dienen kann.

2. Methoden zur Erfassung dieser Indizes (Satelliten, Drohnen, Sensorsysteme)

Die Erfassung von Biomasse- und LAI-Indizes erfolgt heute überwiegend über Fernerkundungstechnologien. Je nach Anwendungsfall kommen dabei Satellitenbilder, Drohnenaufnahmen oder Sensoren an Landmaschinen zum Einsatz. Allen gemeinsam ist, dass sie berührungslos Informationen über den Pflanzenbestand liefern.

Zusammenfassend stehen Landwirten heute mehrere Erfassungsmethoden zur Verfügung: Satellitenbilder bieten großflächige und regelmäßige Daten, Drohnen liefern flexible und hochaufgelöste Detailaufnahmen, und Maschinensensoren ermöglichen die unmittelbare Datennutzung während der Feldarbeit. In vielen Fällen werden diese Technologien kombiniert eingesetzt, um die Vorteile jeder Ebene zu nutzen.

3. Interpretation der Indizes und betriebswirtschaftliche Schlussfolgerungen

Die gewonnenen Biomasse- und LAI-Daten müssen korrekt interpretiert werden, um daraus praktische Entscheidungen abzuleiten. Grundsätzlich spiegeln hohe Vegetationsindex- oder LAI-Werte einen üppigen, vitalen Pflanzenbestand wider, während niedrige Werte auf Lücken, Wachstumsprobleme oder geringere Bestandsdichte hindeuten. Diese Informationen lassen sich betriebswirtschaftlich nutzen, indem man Managementzonen identifiziert und Eingriffe optimiert.

Betriebswirtschaftlich ziehen Landwirte aus der Interpretation folglich konkrete Maßnahmen (siehe Abschnitt 6). Wichtig ist jedoch, Indizes immer im Kontext zu betrachten (Witterung, Entwicklungsstadium, Kulturart) und – gerade bei Abweichungen – Felder in Augenschein zu nehmen und ggf. Probenahmen durchzuführen, um die Ursache zu verifizieren.

4. Anwendungen im Precision Farming – Vorteile für digital ausgestattete Betriebe

Betriebe mit moderner digitaler Ausstattung (Precision Farming) können Biomasse- und LAI-Daten vollautomatisiert in ihre Betriebsabläufe integrieren und daraus erhebliche Vorteile ziehen. Durch die Kopplung von Datenerfassung, Datenverarbeitung und Maschine wird aus den Indizes unmittelbar eine Aktion auf dem Feld abgeleitet, was Arbeitsabläufe optimiert und Ressourcen schont.

Zusammengefasst ermöglichen Precision-Farming-Technologien in Kombination mit Biomasse-/LAI-Daten eine neue Qualität der Bewirtschaftung. Entscheidungen erfolgen datengestützt und oft automatisiert, was Arbeitszeit spart und die Treffsicherheit betrieblicher Maßnahmen erhöht. Insbesondere größere Betriebe mit entsprechender Technik profitieren von diesen Vorteilen, da sie in der Lage sind, die Fülle an Daten auszuwerten und direkt umzusetzen (gdi.bmel.de). Die Investition in digitale Ausstattung amortisiert sich durch effizientere Produktion und höhere Erträge bzw. eingesparte Betriebsmittel.

5. Nutzen für Landwirte ohne Precision-Farming-Technologie

Auch ohne High-Tech-Ausrüstung können Landwirte praktisch von Biomasse- und LAI-Daten profitieren. Nicht jeder Betrieb verfügt über Echtzeitsensorik oder automatische Düngerstreuer – doch dank frei verfügbarer Fernerkundungsdaten und einfach zugänglicher Dienste ist der Einstieg in die datengestützte Bewirtschaftung niedrigschwellig. Hier einige der praktischen Vorteile für traditionell wirtschaftende Betriebe:

Kurz gesagt: Landwirte ohne eigene Precision-Farming-Geräte können Biomasse- und LAI-Informationen als zusätzliches Entscheidungshilfsmittel einsetzen. Sie verbessern ihr Feldbeobachtungsvermögen, können Maßnahmen besser timen und anpassen und profitieren indirekt von digitalen Erkenntnissen – und das mit geringem finanziellem Aufwand. So lassen sich bereits erste Schritte Richtung „Smart Farming“ gehen, die oft genug spürbare betriebliche Verbesserungen mit sich bringen.

6. Anwendungsmöglichkeiten in der Landwirtschaft (Düngeoptimierung, Ertragsprognosen, Bestandsmanagement)

Biomasse- und LAI-Daten finden in vielen Bereichen der landwirtschaftlichen Praxis konkrete Anwendung. Einige wichtige Einsatzfelder – mit entsprechendem Nutzen – sind:

Wie die obigen Punkte zeigen, sind die Anwendungsmöglichkeiten vielfältig. Ob Düngemanagement, Pflanzenschutz, Bewässerung oder Ernteplanung – nahezu jeder Aspekt des Acker- und Pflanzenbaus kann durch Informationen aus Biomasse- und LAI-Daten verbessert werden. Wichtig ist die Integration in den Entscheidungsprozess des Landwirts: Die Daten allein bringen noch keinen Nutzen, erst deren Umsetzung in konkrete Maßnahmen steigert die Effizienz und Nachhaltigkeit der Bewirtschaftung.

7. Verfügbarkeit der Daten – Plattformen und Quellen (DLG, ESA, BMEL, EU u.a.)

Ein großer Vorteil der heutigen Zeit ist, dass Biomasse- und LAI-Daten immer leichter zugänglich werden. Verschiedene Organisationen und Plattformen stellen solche Daten kostenlos oder kostengünstig bereit, sodass Landwirte und Berater sie unkompliziert nutzen können. Im Folgenden einige wichtige Quellen und Initiativen:

Fazit

Es herrscht heutzutage kein Mangel an Daten – vieles ist öffentlich verfügbar. Die Herausforderung liegt eher darin, die relevanten Infos aus der Datenflut zu filtern und für den eigenen Betrieb nutzbar zu machen. Dank Initiativen von EU, BMEL und anderen werden die Zugangshürden aber kontinuierlich abgebaut. Jeder Landwirt – ob digital aufgerüstet oder konventionell – kann zumindest grundlegende Biomasse- und LAI-Daten seiner Flächen einsehen und davon profitieren. Damit wird deutlich: Biomasse-Indizes und LAI sind in der modernen Landwirtschaft hochrelevante Kenngrößen, und die breite Verfügbarkeit dieser Daten ermöglicht es allen Betrieben, ihre Kulturen genauer zu beobachten und fundierte, praxisnahe Entscheidungen zu treffen – eine Entwicklung, die Effizienz und Nachhaltigkeit der Landwirtschaft weiter voranbringt.